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Während die Welt sich wie in Zeitlupe dreht

Es ist verhältnismäßig Mild für diese Jahreszeit.
Wenn ich an den letzten Dezember denke, dann kommt es mir so vor als sei er noch gar nicht so lange her. Das Jahr ist förmlich an mir vorbeigeflogen, dabei habe ich doch eine Menge erlebt.
Leider liege ich in letzter Zeit oft lange Zeit einfach in meinem Bett und übe mich darin mir den Kopf zu zerbrechen. Ich fühle mich manchmal wie ein Mensch, der dem Tempo seiner Zeit nicht mehr angepasst ist. Alles rennt und plant und schafft um mich herum und würde sich wundern wie schön die Langsamkeit auch manchmal sein kann.
Wenn es beginnt zu regnen fangen die Passanten um mich herum an ihren Schritt zu beschleunigen. So komme ich mir mit einem mal noch langsamer vor, als würde ich es genießen mich von den sich aus dem Himmel ergießenden Wassermassen einfach durch die Menge treiben zu lassen.
Treiben lassen. Ja ich glaube das beschreibt mein Lebensgefühl im Moment ganz gut. In Passivität gekleidet "lasse ich alles einfach mal auf mich zukommen."
Viel zu schnell strömt die Zeit an Mir vorbei und rinnt durch meine Finger. Ich kann nichts festhalten, mich nicht an jemandem klammern, möchte immer "für alles offen" bleiben und bleibe nur in mir geschlossen.
So ist es auch in der Liebe. Wenn ich ein nettes Gespräch mit einer interessanten weiblichen Person führe denke ich direkt daran wie es wäre eine Beziehung mit diesem bezaubernden Wesen zu führen. Ich denke und grüble, rede von belanglosen Dingen, werde plötzlich nervös und schon beginnt mir das Gespräch aus den Händen zu gleiten wie ein glitschiger Fisch.
Also lasse ich, abgerutscht an der schlüpfrigen oberflächlichen Konversation, die verlockende Vorstellung eines großen Fanges fahren und hole fast panisch meine Netze wieder ein und lasse mich in die Weite der Welt da draussen strömen, dem alles schluckenden ewigen Meer entgegen.
7.12.06 22:22


Instant Einheitsbrei

Freitag Nachmittag: Nicht viel losgewesen heute.
Fünf Menschen im besten alter, fünf Stunden Bahnfahrt vor der Brust, und genug Alkohol für fünf Köpfe.
Szenenwechsel: Ein Holzstuhl; eine müde Gestallt hockt zusammengesunken, friedlich Atmend in sich verkrümmt auf seinem Thron und möchte vergessen wer er ist.
Mit jedem Tropfen Bier, Wein, Schnapps oder sonstiger Weihwässer die die zugeschnürte Kehle benetzt fühlt sich die Zunge zunehmend gelöst, doch der Verstand zunehmned getrübt. Und da fließt es wieder. Alle bedenken über Bord geworfen und sich ohne Schwimmweste in die Gewalt der wogenden Abendunterhaltung begeben. 
Als diese über mir zusammenschlägt vergesse ich die, auch mich beherr-
schenden Gesetze und fange langsam an wie ein Stein zu Boden zu sinken. Ich höre die Stimmen um mich herum wie ein dichtes Dickicht aus widerspenstigem Blattwerk, in dem ich die Blätter nicht mehr den
Bäumen oder Sträuchern zuordnen kann. Ich lasse mich überrollen, die dickflüssige Masse mich umfluten und mich glattreiben von ewig hin und hertreibenden Wortfetzten. Ewig dasselbe... ewig die selben Geräusche die ich dazu beisteuere, bis mein Leib schließlich schwer auf dem Grund zum liegen kommt und ich im ewigigen Wiegen des Murmelteppichs sanft in den Schlaf gleite. Und so sitze ich dort mit
bleierner fremder Zunge und wie festgenagelt an den hölzernen Grund.
Ein hölzerner Stuhl bis zum Rande gefüllt mit meiner Abscheu die mich
einschließt. Um mich herum tobt das Meer in extatischen Zügen der Party und ergießt sich schäumend in den Flur, als hätte jemand den Stöpsel herausgezogen. Als ich auf fremdgeleiteten Beinen in die tiefe des Kellers kraxle, wo ich mir mein Nachtlager bereitete, fühle ich mich wie in eine ferne Zeit versetzt auf dem Weg zu meiner Urteilsspruch und noch ehe meine müden Augen einen Strich unter diesen um seine Hoffnungen betrogenen Tag ziehen meine ich aus einer unergründlichen Ferne jemanden rufen zu hören: "Jeder nur ein Kreuz"

10.12.06 01:49





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